DER GOLDENE FRÜHLING2019-11-19T11:23:12+01:00

DER GOLDENE FRÜHLING

Die fiktive Geschichte zeigt dem Leser die Wahrheit über die Natur und macht ihn immun gegen die vielen Selbstlügen der sogenannten zivilisierten Menschheit. Dies geschieht auf einer spannenden Reise durch zwei Zeitebenen: Einerseits geht es nach Nordaustralien an das Ende des 19.Jahrhunderts zu den letzten dortigen Jäger- und Sammlerkulturen kurz vor ihrer Vernichtung durch die Kolonialisten. Und andererseits in das Jahr 2038 an den Anfang des selbstverursachten globalen Zusammenbruches der Zivilisation. Mit dem „Goldenen Frühling“ ist die letzte künstliche Euphorie der Zivilisation gemeint, bevor diese in sich zusammenfällt und dabei weite Teile des Gesamtökosystems mit in den Abgrund reißt. Erst im Angesicht der großen Katastrophe erkennt die Menschheit, dass sie wichtigste Naturgesetze übersehen haben muss. Und nach einer verzweifelten Suche findet man ein altes Buch, in dem ein englischer Abenteurer einst versucht hatte, im Auftrag der Ureinwohner Australiens genau diese Naturgesetze an die Zivilisation zu vermitteln.

Im Verlaufe der Beschreibung wird eine ganze Struktur aus tatsächlich beobachtbaren ökologischen Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten aufgedeckt, die auch in der Realität von den zivilisatorischen Naturwissenschaften übersehen wurden, während sie sich in den Überlieferungen und Ritualen der Jäger und Sammler vielfältig finden lassen. Dabei sind die Beschreibungen des Romans so angepasst, dass zu ihrem Verständnis kein fachliches Vorwissen erforderlich ist. In den Ausführungen wird auch die eigentliche psychische Kernursache dafür reflektiert, dass die Zivilisation große Teile der beobachtbaren weltlichen Zusammenhänge verpassen konnte. Die Darstellungen des Blickwinkels der Jäger und Sammler und der sonstigen Beschreibungen natürlicher Zusammenhänge erhalten dadurch Authentizität, dass der Autor selbst insgesamt mehrere Jahre abseits der Zivilisation in der Natur verbracht hat und sich dabei vom Jagen und Sammeln ernährte.

Das finale Katastrophenszenario ist eng an bereits laufende Entwicklungen angelehnt und die Mechanismen des „Goldenen Frühlings“ lassen sich schon in der Gegenwart gut beobachten. Dabei liefert die Geschichte aber auch präzise Antworten zu den möglicherweise noch vorhandenen letzten realistischen Chancen zum Anhalten der Katastrophe.

DER AUTOR: STEFFEN PICHLER

Steffen Pichler, Jahrgang 1967, hat insgesamt mehrere Jahre jagend und sammelnd in der Natur weit abseits der Zivilisation verbracht. Über zwei Jahrzehnte hinweg bereiste er auf mehrmonatigen Solotouren mit dem Seekajak Tausende Kilometer der abgelegensten Küstenregionen verschiedener Kontinente. Berichte von ihm über Begegnungen mit Salzwasserkrokodilen, den größten Reptilien des Planeten, im Norden Australiens, wo alleine er anderthalb Jahre verbrachte, sind international in zahlreichen Medien veröffentlicht worden. Seine Webseite www.saltwatercrocodile.info zum konfliktfreien Verhalten im Verbreitungsgebiet der großen Krokodile wurde unter anderem von der Australian Wilderness Society für Schulungszwecke empfohlen.

Seit mehreren Jahren stellt Pichler in Büchern und Artikeln die These auf, dass die belebte Natur von einer ganzen Struktur aus sehr grundlegenden Gesetzmäßigkeiten geordnet wird, deren Wirkungen sich beobachten und empirisch beschreiben lassen, die aber im System der Zivilisation einschließlich der Naturwissenschaften ausgeblendet und verdrängt werden. Er führt den Nachweis, dass in dieser Verdrängung die eigentliche Kernursache für alle eskalierenden Probleme der Gegenwart liegt und dass es ohne schnelle Aufklärung darüber zeitnah zu einem Kollaps des globalen Ökosystems einschließlich der Selbstvernichtung der Menschheit kommen wird. Dabei beschreibt der Autor auch die konkreten Wege, auf denen diese Aufklärung wirksam funktionieren könnte.

Ausführliches Interview mit Steffen Pichler 2019 von Jürgen Hornschuh vom Blog „Mach was!?“ . Hornschuh ist selbst als Buchautor und Übersetzer etwa von Werken des Kulturphilosophen Charles Eisenstein tätig.

Steffen, wie war deine Kindheit?

Schon in frühesten Erinnerungen spielte ein starkes Interesse an Pflanzen, Tieren und der gesamten Natur die zentrale Rolle. Obwohl ich mitten im Rhein-Main-Gebiet geboren und aufgewachsen bin, gab es immer irgendetwas zum Beobachten. Auf dem Balkon hatte ich jahrelang eine mit Wasser gefüllte Plastikwanne mit Mini-Ökosytem. Da konnte ich stundenlang hineinschauen und entdeckte immer was Neues. Selbst ganz kleine Tiere wie Hüpferlinge und Wasserflöhe haben mich sehr stark fasziniert, erst recht die Eidechsen, Vögel, Hummeln und Käfer draußen auf dem ungemähten Grünstreifen. Ich erinnere mich auch, dass ich mir schon damals häufig die Frage stellte, ob da in denen drin so ein empfindendes Wesen steckt, wie ich es an mir selbst wahrnahm. Und besonders in Frühjahr und Sommer litt ich sehr darunter, den ganzen Vormittag im geschlossenen Klassenraum zu sitzen und etwa Mathematik pauken zu müssen. Ich habe dann oft aus dem Fenster geschaut und gedacht: „Was für eine Zeitverschwendung“.

Warst du also im Grunde deines Herzens immer jemand, der aus den gewohnten Bahnen raus musste?

Das sehe ich eigentlich nicht so, meine gewohnten Bahnen verliefen ja von klein auf in der Richtung des Dranges hin zur Natur, in diesem Sinne habe ich für mich selbst auch später hinaus keine gewohnten Bahnen verlassen.

Du hast das getan, was man inzwischen mit dem Wort “rewilding” beschreibt. Erzähl ein bisschen darüber, was der Auslöser dafür war und was du seither erlebt und unternommen hast.

Nach den üblichen Ablenkungen der Jugendzeit habe ich eben mit dem weitergemacht, was ich schon in der Kindheit begonnen hatte, nur wollte ich jetzt so richtig tief in die Natur hinein gelangen. Das erste Mal reiste ich dann mit 22 Jahren für ein halbes Jahr nach Australien. Ich hatte einen Rucksack mit Zelt, Schlafsack und zwei Angeln zusammengepackt, um in der von der Zivilisation unberührten Natur zu leben und mich möglichst vom Fischfang und Sammeln von essbaren Pflanzen zu ernähren. Allerdings merkte ich schnell, dass das nicht so einfach ist. In der Zivilisation werden wir von einem sehr engmaschigen Netz aus nicht selbst geschaffenen Hilfestellungen getragen und sind dadurch auch sehr unselbstständig. Ein echtes „rewilding“ in dem Sinne, dass man wie ein früherer Jäger und Sammler selbstständig in der Natur existieren kann, ist ausgeschlossen, weil die dazu notwendigen enormen Fähigkeiten, Sensibilitäten sowie auch das Wissen nicht mehr vorhanden sind. Nach zwei stressigen Fehlversuchen hatte ich begriffen, dass ich mich zunächst viel genauer und sorgfältiger auf die Zusammenstellung der Ausrüstung, also der künstlichen Hilfestellungen konzentrieren müsste, um diese großen Defizite gezielt zu überbrücken. Das betraf die Angelausrüstung, Lampen, Messer, Kleidung, Bestimmungsbücher für Pflanzen und so weiter. Mit der besseren Vorbereitung hat es auch ganz gut geklappt, aber wie gesagt, nur auf der Grundlage der zugekauften zivilisatorischen Hilfsmittel. Das erste Mal war ich dann in einen Nationalpark an der Ostküste zweieinhalb Wochen draußen ohne einem Menschen zu begegnen, danach noch mal drei Wochen. Während den 90er-Jahren entdeckte ich das Seekajak als für mich ideales Fortbewegungsmittel und unternahm dann bald fast jedes Jahr eine Tour von meist zwischen drei und vier Monaten an unbesiedelten Küstenlinien. Insgesamt kam letztlich eine Nettozeit von etwa vier Jahren zusammen, in denen ich mich weit überwiegend von Fischen und Wildpflanzen ernährte. Die größten Anteile entfielen auf die Nordwestküste Norwegens und die äußerste Nordostküste Australiens nördlich von Cooktown. Außerdem war ich unter anderem an der Westküste Kanadas, im Süden Alaskas und vor Sumatra unterwegs. Es gab in der gesamten Zeit sechs oder sieben Phasen, in denen ich jeweils über drei Monate hinweg keinerlei Kontakt zu einem Menschen hatte. Und auch ansonsten kam es nur selten zu kurzen Begegnungen etwa mit Fischern oder Jägern.

Was hat sich in der Folge an deinem psychischen und körperlichen Wohlgefühl geändert?

Rückblickend waren diese Erfahrungen des möglichst tiefen Eintauchens in die Natur ja genau das, was ich von klein auf gesucht hatte. Dadurch hat sich eine Zufriedenheit gebildet; es gibt für mich heute nichts mehr nachzuholen. Die Touren selbst gingen mit sehr hohem Genuss einher. Da ich mich trotz der künstlichen Hilfsmittel schon recht weit dem Erfahrungshorizont unserer jagenden und sammelnden Vorfahren annäherte, entfalteten sich auch viele der ursprünglichen Empfindungen, und die sind sehr viel stärker und intensiver als jene, die von zivilisatorischen Einflüssen ausgelöst werden könnten. Die Nahrungsbeschaffung durch das Jagen und Sammeln und auch die sonstigen Reize der Natur passen präzise zu unseren über viele Millionen Jahre entstandenen kognitiven Prägungen und Bedürfnissen. Außerdem weitet sich auch der Wahrnehmungshorizont weit über jenen hinaus auf, der im System der Zivilisation möglich wäre. Diese Existenz geht zwar teilweise mit hohen körperlichen Anforderungen und einer ständig zu beachtenden, vielfältigen Gefahrengrenze einher, aber sie fühlt sich nie unangenehm an, sondern so wie ein dauerhaft erfüllendes und spannendes Abenteuer. Langeweile kann es darin gar nicht geben.

Eine wichtige langfristige Wirkung lag in der Entstehung eines sehr positiven und stabilen Weltbildes. Solcher Quatsch, der einem in der Zivilisation eingetrichtert wird, wie etwa „grausame Natur“, löschte sich zügig und restlos aus. In Wirklichkeit ist die Natur ein Raum der freien und genussvollen Entfaltung allen Lebens. Zwar stirbt jedes geborene Lebewesen auch irgendwann, und das kann, genauso wie Geburt und Metamorphosen, durchaus mit Drama und Stress einhergehen. Aber das Sterben ist eine unwichtige Nebensache und der weitaus größte Hauptteil der Existenz in der Natur ist bestimmt von der freien und genussvollen Entfaltung. Und genau so muss es schon immer gewesen sein. In der Wirklichkeit erkannt zu haben, dass die Natur schon immer ein Raum der freien Entfaltung, des großen Abenteuers und des intensiven Genusses all dessen gewesen sein muss, lässt ein unerschütterlich positives Weltbild entstehen.

Du bist ja nun auch publizistisch tätig. Was ist dein Themenfeld, und welche Veröffentlichungen gibt es von dir?

Meine Reisen gingen nicht im Geringsten mit der Absicht einher, darüber irgendetwas zu publizieren. Erst als ich zwanzig Jahre nach der ersten Tour von australischen Freunden direkt gebeten wurde, zum Zwecke der Aufklärung und Unfallvermeidung meine mittlerweile umfangreichen Erfahrungen mit den Salzwasserkrokodilen zu veröffentlichen, habe ich das getan. Seitdem gibt es die Webseite saltwatercrocodile.info mit Bildern und Beschreibungen zum konfliktfreien Miteinander im Verbreitungsgebiet dieser größten Reptilien des Planeten. Das Salzwasserkrokodil ist in Australien ein sehr politisches Thema. Ich wurde dazu auch mal von Magazinen angesprochen, habe ein paar Interviews gegeben und einige Reportagen geliefert. Allerdings hatten die Begegnungen mit diesen Tieren bei mir noch viel weitergehende Prozesse ausgelöst, was dann auch zur Motivation führte, bestimmte andere – eigene – Publikationen anzustreben. Und zwar war es so, dass sich durch die Erfahrung, nicht mehr an der Spitze der Nahrungspyramide zu sein und auch sonst gegenüber einem sehr viel stärkeren Lebewesen Acht geben zu müssen, gewissermaßen die bis dahin in meinem Kopf immer noch festsitzenden Reste der zivilisatorischen Arroganz verflüchtigten. Ziemlich plötzlich nahm ich die anderen Tiere um mich herum auf genau gleicher Augenhöhe wahr. Nun konnte ich sehr klar erkennen, dass sie bei ihrer freien Entfaltung im Raum der Natur den eben schon erwähnten enormen Genuss erfahren, und zwar in einer sehr hohen Intensität. Nach weiteren, ebenfalls von den Krokodilen ausgelösten Erkenntnissprüngen wurde mir dann ebenso klar ersichtlich, dass die belebten Ebenen der Natur von Gesetzmäßigkeiten geordnet werden, die all das hervorbringen und absichern. Und schließlich fand ich heraus, dass diese Naturgesetze im System der Zivilisation verdrängt werden und dass hierdurch eine äußerst fatale Situation entstanden ist. Dies habe ich dann in dem 2017 erschienenen Sachbuch „Die verdrängten Gesetze der belebten Natur“ zusammengefasst. Und auch mein neues Buch, der Roman „Der goldene Frühling“ dreht sich um diese Zusammenhänge.

Dein Roman “Der goldene Frühling” weist auf ein deiner Meinung nach von der Wissenschaft übersehenes Naturgesetz hin. Worin besteht es und wie wirkt es?

Bei einer systematischen Beobachtung der belebten Natur lässt sich erkennen, dass die Individuen aller Spezies durchschnittlich stets bis weit gegen absolut gehend die Herrschaft über sich selbst besitzen und insofern ihre Handlungen auf selbstbestimmten Entscheidungen beruhen. Dabei sind „Handlung“ und „Entscheidung“ nun in einem rein mechanischen Sinne gemeint. Ob sie also aus kognitiven oder sonstigen Prozessen hervorgehen, spielt hier keine Rolle. Solche Individuen, bei denen dieser Zustand der organischen Selbstbestimmung stärker eingeschränkt ist, befinden sich bereits zumindest am Anfang des Sterbeprozesses, welcher aber durch die enorme Straffheit eines jeden gesunden Ökosystems regelmäßig nur einen durchschnittlich sehr kleinen Bruchteil der jeweiligen arttypischen Gesamtlebenspanne ausmacht. Dieses Phänomen gilt für alle biologischen Domänen und Reiche. Anhand der Wirbeltiere kann es auch ein Laie leicht erkennen, indem er zum Beispiel mal versucht, in der Natur einen Vogel zu finden, dessen Handlungen irgendwie fremdbestimmt sind oder der sich etwa im Zustand des Siechtums befindet.

Das regelmäßige Phänomen der Selbstbestimmung ist deckungsgleich mit der Bedeutung des Begriffes der „Freiheit“ – und zwar in allen Sprachen. Die Wurzel des Wortes „Freiheit“ etwa liegt im altgermanischen „fri halsa“, was ganz schlicht bedeutete, dass einem „der Hals selbst gehört“, das Individuum also über sich selbst bestimmt. Genauso ist es auch mit den Freiheitsbegriffen aus dem Altgriechischen oder dem Lateinischen. Der Begriff „Freiheit“ ist also entstanden, um die zentrale Regelmäßigkeit der belebten Natur zu benennen. Deswegen hat auch der Volksmund etwa die Redewendung „freie Natur“ hervorgebracht.

Wenn man nun diese Regelmäßigkeit der Freiheit auf tiefere Mechanismen hin untersucht, dann stößt man ganz ähnlich auf definierbare Grundlagen, wie es etwa bei der Gravitation der Fall ist. Dort sind es ja nach derzeitigem Wissensstand die Mechanismen des Raum-Zeit-Gefüges, welche über die Raumkrümmung dafür sorgen, dass sich die Massen quasi gegenseitig anziehen. Und bei der Freiheit liegt die mechanische Grundlage in einer ausnahmslos immer bis sehr weit gegen unendlich reichenden und somit von außen unbeherrschbar hohen Komplexität der in einem jeden Genom über mehrere Milliarden Jahre sortierten Informationen. Daraus resultiert eine Unmöglichkeit der nachhaltigen Manipulation der evolutionären Fortentwicklung zwischen verschiedenen Lebensformen zum ausschließlichen Nutzen des Manipulators. Die manipulierte Seite würde durch das Entfallen der natürlichen Selektion nach dem eigenen vorrangigen Nutzen gegenüber dem gesamten Umweltdruck mit jeder Generation schwächer und die Beziehung dadurch letztendlich immer in einer evolutionären Sackgasse enden. Diese Grundlage der unbeherrschbar hohen Komplexität aller Genome verhindert seit jeher die Entstehung von echten Versklavungsverhältnissen zwischen verschiedenen Spezies, weil solches immer wieder aufgebrochen würde. Es lässt sich also ein „Naturgesetz der Freien Evolution“ erkennen, welches wiederum die Grundlage der zentralen natürlichen Regelmäßigkeit der Freiheit bildet.

Anzumerken ist noch, dass ich im Zuge meiner jahrelangen theoretischen Recherchen für mein erstes Buch alle typischen Verdachtsfälle aus der nichtmenschlichen Natur untersucht habe. Das gilt zum Beispiel auch für die angeblichen „Sklavenhalterameisen“ oder die polymorphen Attinis, also die angeblich pilzzüchtenden Blattschneiderameisen, verschiedenste erbgutverändernde Viren sowie zahlreiche obligatorische Symbiosen und Parasitismen in den Welten der Mikroorganismen. Alle Verdachtsfälle lösten sich auf. Es gibt in der Natur keine echte Zucht zum vorrangigen Nutzen des Manipulators und deswegen auch keine dauerhafte Versklavung zwischen verschiedenen Spezies, weil es nicht nachhaltig funktionieren kann.

Wenn man nachschlagen möchte, was Naturgesetze sind, erfährt man interessanterweise, dass es in der Wissenschaft keine Einigkeit darüber gibt. Es gibt eine weiter gefasste Form, die sie als Regelmäßigkeiten und beobachtbare Muster der Natur definiert, welche vom Menschen nicht außer Kraft gesetzt werden können. Ein enger gefasster Naturgesetz-Begriff erklärt diese Regelmäßigkeiten zum unumstößlichen Paradigma, bei dem eine klare, mathematisch ausdrückbare Beziehung zwischen Ursache und Wirkung besteht. Mit dieser Definition landet man sehr schnell beim Determinismus, d.h. alle Geschehnisse sind bereits heute – und waren von Anfang an – festgelegt. Dein Gesetz der Freiheit würde dem diametral entgegenwirken. Wie verstehst du das Zusammenspiel zwischen unserem Ausgeliefertsein gegenüber äußeren Kräften und der Freiheit, unser Leben zu gestalten? Oder ist meine Fragestellung irreführend?

Eigentlich ist der Begriff „Naturgesetz“ zur empirischen Behandlung sich wiederholender natürlicher Phänomene ungeeignet. Man nutzt ihn eher umgangssprachlich, oder auch, wie ich es selbst oft tue, um die Dinge gegenüber einem Laienpublikum möglichst greifbar zu halten. In den Beschreibungen der empirischen Naturwissenschaften gibt es lediglich „Theorien“, die nur solange Bestand haben, wie sie nicht widerlegt werden können und die stets unter dem Vorbehalt stehen, dass sie ja nur aus der aktuellen Position der irdischen Beobachter wahrgenommen werden. Die Vereinfachung durch die Nutzung des Begriffes Naturgesetz ist aber eine Brücke zum leichteren Verstehen der komplexen weltlichen Gesamtzusammenhänge. Und solange die jeweiligen Theorien nicht widerlegt sind, halte ich dies auch für legitim.

Was nun den zweiten Teil deiner Fragestellung angeht, so führt dieser nach meinem Verständnis tatsächlich ins Leere. Man könnte zwar auf die Idee kommen, dass zum Beispiel das Naturgesetz der Gravitation die Selbstbestimmtheit, also die Freiheit des Fuchses oder des Menschen einschränkt, weil sie nicht einfach nach eigener Entscheidung über den Fluss hüpfen könnten. Tatsächlich aber haben sich alle in den Genomen codierten Merkmale und somit auch die Bedürfnisse der Organismen Fuchs und Mensch seit jeher ununterbrochen unter den Wirkungen der Naturgesetze gebildet und lassen sich somit genau in diesem Rahmen optimal und eben auch selbstbestimmt entfalten. Die Naturgesetze bilden somit sogar den optimalen Rahmen oder Raum zur selbstbestimmten Entfaltung unserer angeborenen Merkmale und somit der Freiheit. Dies gilt für ausnahmslos alle Lebensformen.

Dass sich viele natürliche Gesetzmäßigkeiten auch auf mathematischen Wegen nachvollziehen lassen, bedeutet im Übrigen nicht, dass die Welt aus Zahlen besteht oder die Zukunft festgelegt ist. Wir können also zwar die Freiheit in der Natur über mathematische Statistik erkennbar machen, ebenso wie sich das unbeherrschbar hohe Komplexitätspotenzial der Informationen eines jeden Genoms leicht über die Anwendung der Variationsformeln auf die Kombinationsmöglichkeiten der vier Nukleotidbasen aufzeigen lässt. Aber das sind ja nur nachrangige Analysen, die überhaupt nichts daran ändern, dass die Freiheit in der Natur und die ihr zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten echt sind.

Was hältst du von der Evolutionstheorie?

Die stetige natürliche Selektion aller Spezies nach dem größtmöglichen eigenen Nutzen und die daraus hervorgehende Fortentwicklung der Merkmale ist für mich eine unumstößliche Tatsache und hier liegt ja auch eine der tragenden Säulen meiner eigenen Theorie. Im weiteren Sinne war die Evolutionstheorie der einzige Lichtblick in der ansonsten sehr traurigen Entwicklung des kollektiven Geistes der Zivilisation und ihren Naturwissenschaften. Besonders ab der frühen Neuzeit kamen viele kluge Leute auf den Gedanken, dass die Entwicklung der Merkmale sich bei allen Lebensformen in einer ununterbrochenen Generationskette vollzogen haben muss. Einige der bekanntesten waren Giordano Bruno und Lucilio Vanini. Beide wurden Anfang des 17. Jahrhunderts bei lebendigem Leibe verbrannt. Und weil Vanini auch noch gemutmaßt hatte, dass der Mensch von Affen abstammen könnte, petzte man ihm zuvor mit einer Zange die Zunge heraus.

In England, wo die Mechanismen der Inquisition etwas anders verliefen, bildete sich ein Vorsprung der entsprechenden Teilaufklärung. Der Großvater von Charles Darwin legte ein Konzept vor, das dann von seinem Enkel sehr gut ausgebaut wurde. Was allerdings im weiteren Verlauf der Geschichte passierte, ist der größte Skandal der jüngeren Naturwissenschaften. Obwohl es keine inquisitorischen oder sonstigen Gefahren mehr gab, wurden die wichtigsten Kernaussagen Darwins nicht aufgegriffen und somit auch nicht weiterverfolgt. Das, was ich als Naturgesetz der Freien Evolution bezeichne, hatte Darwin bereits in seinem Hauptwerk deutlich dargelegt. Er hat sogar geschrieben, dass seine „gesamte Theorie vernichtet“ wäre, wenn in der Natur auch nur ein einziges Beispiel gefunden würde, bei dem irgendein Merkmal einer Spezies zum ausschließlichen Nutzen einer anderen Spezies entstanden ist. Bei der Weiterverfolgung dieser Aussagen hätte im Laufe des 20. Jahrhunderts die alles entscheidende Frage nach dem „Warum“ in den Mittelpunkt der Naturwissenschaften gerückt werden müssen. Warum gibt es so etwas in der Natur nicht, obwohl Vielfältigkeit und Komplexität der interspezifischen Beziehungen schon bei den Mikroorganismen in solch extremen Höhen liegen, dass unsere gesamte Landwirtschaft dagegen wie ein kindliches Sandkastenspiel erscheint. Bei der Verfolgung dieser Frage wäre erkannt worden, dass es eben nicht dauerhaft funktioniert und somit unsere sämtliche Landwirtschaft auf einem gegen grundsätzliche Naturgesetze verlaufenden Prinzip beruht.

Kann es deinem Verständnis nach so etwas wie eine “nachhaltige Zivilisation” geben?

In den gängigen Definitionen ist das System der Zivilisation untrennbar mit der künstlichen Zuchtwahl, also der gezielten Manipulation der Folgegenerationen anderer Lebewesen nach unserem ausschließlichen Nutzen und somit deren faktischer Versklavung verbunden. Da dies nie wirklich nachhaltig sein kann, ist in diesem Sinne so etwas wie eine nachhaltige Zivilisation nicht möglich. Wenn sich so ein System quasi jede erreichbare Lebensform abgreift und zu seinen Zwecken züchtet, wie wir es getan haben, dann kann es über eine in evolutionären Maßstäben kurze Zeitspanne sehr hohe Nahrungsmengen und anderen Nutzen generieren und dadurch seine Population entsprechend vergrößern. Das ist ja auch passiert. Aber gleichzeitig zu diesem Wachstum erhöhen sich die Abhängigkeit von den manipulierten Organismen, der Grad ihrer Schwächung und somit auch der Aufwand zu ihrem Erhalt. Die Schwächung betrifft die Stabilität gegenüber den Faktoren des Umweltdruckes und der gesamten Organisation durch die Abnahme der genetischen Vielfalt. Im Gegenzug muss also die Unterstützung etwa durch Pestizide, Medikamente, Dünger, Wasser, Boden und so weiter zwangsläufig erhöht werden. Das ist eine echte Sackgassensituation, die sich stetig zuspitzend in Richtung eines physischen Zusammenbruches bewegt. Und weil wir diesen Prozess in den letzten Jahrzehnten im Rahmen der Intensivlandwirtschaft auf dem weit überwiegenden Anteil der fruchtbaren ebenen Landflächen des Planeten sowie auch der Biomasse der Landwirbeltiere zur Eskalation gebracht haben, wird es absehbar nicht nur einfach zu einem Zusammenbruch unserer Nahrungsgrundlage kommen, sondern zu einem sehr drastischen ökologischen Kollaps.

Es wäre möglich, dass sich ein auf diese Weise in die Sackgasse geratenes System wieder der Nachhaltigkeit annähert, indem es die Situation begreift und dann versucht, Manipulation und Versklavung zu extensivieren und das Verhältnis zu den manipulierten Lebensformen in die Richtung einer Symbiose zu verändern. Echte Symbiosen könnten so zwar nicht entstehen, aber die Zeitspanne bis zum Erreichen des Endes der Sackgasse vergrößert sich relativ zu jener ohne die entsprechende Bestrebung. Wir haben es allerdings umgekehrt gemacht und versuchen den Prozess so stark wie möglich in die Richtung des Endes der Sackgasse zu beschleunigen. Die aktuelle Situation entspricht jener, wenn der Pilot eines Kamikazeflugzeuges das Steuer kräftig nach unten drückt. Wer die Zusammenhänge begriffen hat, kann momentan eigentlich nur noch mit dem Kopf schütteln. Wir befinden uns eigentlich bereits im fortgeschrittenen Stadium einer gigantischen Katastrophe, in der sich die Menschheit schon bald selbst vernichten und dabei vielleicht alles höhere Leben mit in den Abgrund ziehen wird.

Zivilisation ist in vielerlei Hinsicht eine selbstverstärkende Rückkopplungsschleife: Je mehr sie uns z.B. die Illusion vom Menschen als der Krone der Schöpfung bzw. dem intelligentesten Wesen der Welt einimpft, desto stärker formen wir die Welt den Bedürfnissen unserer Kultur entsprechend. Je erfolgreicher wir dabei sind, desto stärker der Eindruck, alles drehe sich nur um uns; u.s.w. Derrick Jensen weist immer wieder darauf hin, dass die Menschen das System mit ihrem Leben verteidigen werden, solange ihre Nahrung im Supermarkt “wächst”. Wie kommen wir aus der Nummer raus?

Dieses Umsichselbstdrehen der Zivilisation ist der psychische Gegenpart der eben skizzierten physischen Sackgasse. Es entspricht der Situation eines Individuums mit einer sehr schweren psychischen Erkrankung, durch welche es die Fähigkeit zur Wahrnehmung seiner Umgebung und der gesamten Realität verliert und schließlich lebensuntüchtig und selbstzerstörerisch zu Grunde geht. Dieses Individuum könnte aus der Nummer rauskommen, indem es die Kernursache seiner Krankheit findet und reflektiert. Durch eine solche Selbstreflexion kann es tatsächlich passieren, dass sich sogar eine schwere Psychose praktisch von einem zum anderen Moment auflöst, weil der bisher verdrängte, eiternde Krankheitsherd im Inneren der Psyche plötzlich weg ist. Sigmund Freud hatte diese Mechanismen gut beschrieben, auch wenn er sich hinsichtlich der gewählten Themenfelder oft verzettelte. Bezogen auf die kollektive Psyche der Zivilisation wäre die Frage nun: Was ist die Kernursache, also der eiternde Krankheitsherd? Und dieser lässt sich nach meiner festen Überzeugung, welche auf wirklich vielfältigen Überprüfungen und Analysen beruht, sehr klar und eindeutig identifizieren: Er kann nur in dem den zentralen Naturgesetzen zuwiderlaufenden Verhältnis zu den manipulierten und versklavten Lebensformen liegen. Und in der Mitte der Problematik sitzt die Versklavung der anderen Tiere, weil sie uns ja hinsichtlich Kognition, Bewusstsein, Physis und potentieller Mobilität sehr ähnlich sind. Das ist der geistige Eiterherd der Zivilisation.

Zum Herauskommen bräuchte es zum einen eine sehr zügige Aufklärung über die tatsächlichen Zusammenhänge der belebten Ebenen der Natur. Das wäre ein sehr harter Prozess, weil es in der Zivilisationsgeschichte nie eine echte Aufklärung gab. Das kollektive Eingeständnis, dass die gesamte Lebensgrundlage der Zivilisation auf einer grundsätzlichen Perversion beruht, würde mit der Überwindung hoher geistiger Hürden und auch mit entsprechenden inneren Widerständen und starken Schmerzen verbunden sein. Auf der physischen Ebene müsste umgehend eine vollständige, also absolute Beendigung der Versklavung der anderen Tiere eingeleitet werden. Jenes, was als „industrielle Massentierhaltung“ bezeichnet wird, wäre per sofort, also von einem Tag auf den anderen, unter scharfen Sanktionen zu verbieten. Wenn dann tatsächlich Leute versuchten, diese extremsten Ausprägungen der Perversion mit ihrem Leben zu verteidigen, dann müssten diese Widerstände eben entsprechend gebrochen werden. Und schließlich müsste die gesamte pflanzliche Landwirtschaft in einen sehr massiven Extensivierungsprozess gelenkt werden. Private Agrarkonzerne müssten dazu unter öffentliche Kontrolle gestellt und extensive Landwirte weltweit mit hohen Subventionen zu den neuen Hauptakteuren der Nahrungsmittelerzeugung gemacht werden. Das mag nun alles heftig und utopisch klingen, aber es ist eben die einzig mögliche ehrliche Antwort auf deine Frage. Eine andere Chance gibt es nicht mehr. Wie gesagt, die Katastrophe liegt nicht in der Zukunft, sondern sie ist in vollem Gange.

Aber wie könnten solche drastischen Schritte in der Praxis entstehen? Die Prozesse der Veränderungen innerhalb der Zivilisation erscheinen doch meist sehr träge.

Notwendig wäre eine radikale Notbremsung in Form einer globalen geistigen Zäsur und Revolution, gegen die solche Zäsuren wie die Französische Revolution oder die 68er Bewegung nicht mehr wären als laue Lüftchen gegenüber einem Orkan. Die eingefahrenen naturwissenschaftlichen, politischen und medialen Eliten sind dazu fast durchweg unfähig, sie stellen große Hindernisse dar, die entweder überwunden oder beseitigt werden müssten. Das allerletzte Potential und somit die allerletzten Chancen können nur bei den ganz jungen Menschen liegen, auch weil sie relativ offen für ein neues Weltbild wären. An der „Fridays for Future“-Bewegung lässt sich erkennen, dass sie langsam anfangen, die bereits laufende Katastrophe und die fatale Ernsthaftigkeit der Situation zu spüren, auch wenn sie noch gar nicht wissen, was da eigentlich passiert. Dass sich die Konzentration bisher fast nur auf die Klimaproblematik richtet, ist in etwa so, als würde man dem kranken Individuum mit der schweren Psychose dadurch aus der Situation heraushelfen wollen, indem man es bei Körperpflege und Nahrungsaufnahme unterstützt. Das soll nicht bedeuten, dass diese Aktivitäten sinnlos seien. Aber sie zielen eben auf eines von vielen Symptomen der Krankheit ab, nicht hingegen auf den eiternden Krankheitsherd.

Die Jugend und auch dazu fähige Erwachsene müssten sich also zunächst über die Realitäten der natürlichen Zusammenhänge aufklären und sie wirklich akzeptieren. Parallel dazu müssten sie mit all ihren Kräften die genannten Schritte erzwingen und dabei jegliche Widerstände wirklich brechen, wenn es sein muss mit allen Mitteln. Gerade die industrielle Massentierhaltung könnte zu einem Trigger werden, weil die Perversion hier in völlig bizarre Höhen getrieben worden ist. Es geht ja um solche hohe Grade des massenhaften Freiheitsentzuges, der Vergewaltigung und der Folter, dass es praktisch keine Steigerung mehr geben kann. Eine aufgeklärte und von dem Eiterherd befreite Menschheit würde beim Zurückschauen ungläubig und mit großem Schauder darüber staunen, in was für einen bizarren Horror man sich da einst verrannt hatte und welche schweren geistigen Schäden man dadurch auch den eigenen Kindern zugefügt hat. Der aufgeklärte Mensch wäre bereit zu allen weiteren notwendigen Verzichten, weswegen sich die vielfältigen Symptome der Krankheit, wie etwa zerstörerischer Konsumrausch, chaotische Ausbeutung der Natur, CO2-Ausstoß und so weiter sehr zügig zurückbilden würden. Dies wäre so, wie das von der Psychose geheilte Individuum ja auch schnell seine Körperpflege und Nahrungsaufnahme wieder selbst übernehmen und schließlich wieder alleine überlebensfähig würde.

In deinem Roman kritisiert die Hauptfigur Albert Huxley Kant und Descartes als geistesverwirrte Menschen, deren “Erkenntnisse” nur scheinbar Sinn ergäben. Führt Philosophie, ähnlich wie Geld oder Atomkraft, stets auf den Irrweg oder gibt es Formen bzw. Anwendungen von Philosophie, die der Wahrheit und dem Leben dienen?

Huxley merkt zunächst rückblickend, dass jene Schriften, welche ihm im Philosophie-Studium vorgelegt wurden, immer aus irgendwelchen geistigen Luftknoten bestanden, die sich bei Reflexion gegen die nun von ihm erkannte Wirklichkeit der Natur im Nichts auflösen. Darauf aufbauend begreift er, dass es eigentlich stets darum ging, dem Menschen irgendwelche Exklusivitäten, allen voran die Vernunft, anzudichten, um daran dann die vermeintlich ebenso exklusive Freiheit knüpfen zu können. Und weil er schließlich die Freiheit als zentrale Regelmäßigkeit der gesamten Natur erkennt, wird ihm auch die Motivation dieses wirren Unsinns klar, die nämlich im Kaschieren der zivilisatorischen Perversion der lebenslangen Versklavung der anderen Lebewesen liegt. Descartes und Kant waren quasi wie Staffelläufer, die jene Aufgabe übernommen hatten, welche zuvor die Religion mit dem Gottesbefehl zur Unterwerfung der Erde und besonders der Beherrschung der anderen Tiere erfüllten. Sie schufen also einen etwas anspruchsvolleren Ersatz für die eher einfach gestrickte Religion. Und das Publikum war sehr dankbar, weil es so das psychische Kernproblem weiter verdrängen konnte. Dadurch allerdings ging es immer schneller in die Sackgasse hinein.

Philosophie kann also zumindest die große Gefahr einer kollektiven Irreführung erzeugen. Darüber hinaus ist sie, so wie die Religion, schlicht überflüssig. Die wahrnehmbare Wirklichkeit der Natur mit all ihren Gesetzmäßigkeiten bietet doch bereits ein komplettes und äußerst positives Weltbild. Das gilt mitsamt einer darin liegenden, sehr stabilen Ethik. Diese ist deckungsgleich mit dem, was man in der empirischen Wissenschaft als den „Horizontalen Respekt“ bezeichnet und sie bewirkt im Grunde nichts anderes als die Anpassung an die zentralen Regelmäßigkeiten und Gesetze der Freiheit. Wer die anderen Lebewesen horizontal, also auf exakt gleicher Augenhöhe wahrnimmt, der würde es gar nicht aushalten, sie zu versklaven und zu unterdrücken. Und das gilt genauso auch im zwischenmenschlichen Bereich. Diese Mechanismen spielen in meinen Büchern eine sehr wichtige Rolle. Der Horizontale Respekt ist der geistige Schlüssel zu jenem Tor, welches der Zivilisation den Zugang zur Wirklichkeit der Natur und somit der echten Welt versperrt.

Kann man sagen, dass dein Roman autobiographische Informationen enthält oder hat Huxley, die Hauptfigur, nichts mit deinem Werdegang zu tun?

Es gibt bestimmt Parallelen, aber der Werdegang ist schon sehr verschieden. Ich bin zwar auch ein Studienabbrecher, komme aber zum Beispiel nicht aus einer reichen Familie und bin auch nicht als verwöhnter Dandy in die Welt gezogen. Schon das Geld für meine erste Tour Ende der 80er Jahre habe ich mit monatelanger Nachtarbeit in einer Lagerhalle verdient und über die gesamten 90er Jahre war ich hauptberuflicher Taxifahrer, bin jedes Jahr acht Monate fast jeden Tag oder Nacht, meist elf, zwölf Stunden durchgefahren um dann vier Monate verreisen zu können. Mit dieser Figur wollte ich vor allem einen möglichst hohen Kontrast zwischen dem einstigen, winzig eng zusammengeschnürten Blickwinkel eines völlig naturentfremdeten Stadtmenschen zu jenem erzeugen, der sich nach dessen Aufsprengung und der nun plötzlich möglichen Wahrnehmung der Wirklichkeit der Natur ergibt. Dieser Blickwinkel in die Natur mitsamt den einhergehenden Wahrnehmungen ist aber echt, so wie ich es erlebt habe, da ist nichts dran erfunden.

Unternimmst du heute noch große Reisen?

Nein, ich verreise in diesem Sinne schon seit acht Jahren überhaupt nicht mehr. Ich habe die wenigen Reste der von der Zivilisation unberührten Natur und die dortigen Tiere genug gestört. Außerdem ist es überhaupt nicht notwendig in ferne Länder zu reisen oder Gebiete weit abseits der Zivilisation zu besuchen, um die Faszination der Natur zu finden. Mir gelingt das heute wieder genauso gut dort, wo alles angefangen hat, also etwa an einer Wiese mit Hummeln, Käfern und Vögeln oder an einem kleinen Teich mit Libellen und Fröschen. Dadurch, dass ich ja heute weiß, dass da in denen drin tatsächlich genauso ein wahrnehmendes Wesen steckt wie in mir und dass sie sich mit ihrer gesamten Existenz in dem von mir kurz bezeugten großen und genussvollen Abenteuer befinden, wird das Beobachten selbst zu einem solchen. Hinter dem Tor, dessen geistiger Schlüssel besagter Horizontaler Respekt ist, finden sich viele sehr wertvolle Belohnungen und die sind alle kostenlos.

Vielen Dank für das inspirierende Interview!

FRAGEN & ANTWORTEN

In den Beschreibungen des Buches tauchen vielfältige Unterthemen auf, zu denen möglicherweise Fragen entstehen. Deswegen wird hier die Gelegenheit gegeben, dem Autor diese Fragen zu stellen. Die Beantwortung wird bei Bedarf dazu genutzt, auf weiterführende Links zu verweisen. Fragen, die noch nicht oder nicht ausreichend behandelt wurden, so können über fragen@der-goldene-frühling.de eingereicht werden. Die Veröffentlichung erfolgt anonymisiert, falls der Fragesteller nicht auf die erwünschte Nennung einer Eigenangabe hinweist. Ob eine Frage veröffentlicht und beantwortet wird, obliegt den Betreibern der Webseite.

Zum Einstieg folgend einige Fragen, die im Rahmen früherer Veröffentlichungen an Steffen Pichler gerichtet wurden, jeweils mit den damaligen Antworten:

1.1 Führt nicht gerade der Pessimismus in den Untergang? Wäre es nicht besser, optimistisch zu sein und sich nur auf die positiven Dinge zu konzentrieren? (Tobias, 10.02.2019)2019-08-23T12:49:51+02:00

Ob pessimistisch oder optimistisch spielt eigentlich keine Rolle bei der realistischen Wahrnehmung und Anpassung an eine gegebene Situation. Es kommt auf die tatsächlichen Fakten an. Ein Optimismus um seiner selbst Willen ist einer solchen realistischen Wahrnehmung und Anpassung sicher nicht förderlich, sondern er wird insofern immer gegenteilig wirken. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Informationen der hiesigen Thematisierung bezogen auf die gesamte Welt abseits unserer Wirkungen ja äußerst positiv sind. Die negativen Seiten bis hin zu besagter Katastrophe sind allesamt auf unsere zivilisatorischen Wirkungen zurückzuführen.

1.2 Der Menschheit geht es doch gerade in den letzten Jahrzehnten immer besser. Die Population erhöht sich, die Quote der an Infektionskrankheiten sterbenden Menschen nimmt stetig ab, es gibt bessere medizinische Versorgung, weniger Hunger, weniger Kindersterblichkeit, die Nahrung ist reichhaltiger geworden, die Menschen werden immer älter, es gibt viel mehr Wohlstand und Teilhabe am technischen Fortschritt. Warum soll das denn nicht das genaue Gegenteil einer Katastrophe sein? (Unbenannt, 05.04.2019)2019-08-23T13:38:22+02:00

Die angeführten Verbesserungen sind unstrittig und die Aufzählung ließe sich sogar noch weiter ausführen. Auch der besonders starke und sehr rasante Anstieg innerhalb der letzten Jahrzehnte ist in der Tat auffällig und insgesamt unbestreitbar. Allerdings sind einige Jahrzehnte eigentlich sehr kurze Zeitspanne und alle genannten Verbesserungen betreffen ausschließlich die Spezies Homo sapiens. Auf der Seite der nichtmenschlichen Lebensformen und auch der Lebensgrundlagen der Menschen selbst hat sich derweil eine Vielzahl von kaum noch überschaubaren schädlichen Auswirkungen vollzogen, von denen viele schon jetzt alleine als Katastrophe definiert werden können. Bei Addition dieser negativen Faktoren und Weiterführung der Gleichung in die nahe Zukunft wird das Szenario einer sogar bereits im Gang befindlichen globalen Katastrophe unübersehbar. Folgend sind einige der bekanntesten dieser Faktoren aufgelistet. In sämtlichen Beispielen vollzieht sich die negative Entwicklung global und beschleunigend:

1. Vergrößerung des „ökologischen Fußabdruckes“ pro Mensch.
2. Parallel zu 1 und dadurch schädlich Erhöhung der Populationsgröße
3. Abnahme der Artenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich.
4. Verschlechterung der Bodenbeschaffenheit (Bodendegratation)
5. Vernichtung ursprünglicher Naturflächen
6. Chemische Kontamination des Oberflächenwassers durch industrielle Produktion
7. Zunehmender Eintrag von Mikroplastik bis ins Grundwasser und Meerwasser
8. Erhöhung des Eintrages von CO2, Methan und anderen Gasen in die Atmosphäre mit klimatischen Folgen.
9. Rückgang der Grundwasserspiegel durch Übernutzung.
10. Erhöhung der Wahrscheinlichkeit von Verseuchungen durch zivile und militärische Nutzung der Kernspaltung.

Bis hierhin umfasst die Auflistung vielfach diskutierte Faktoren. In meiner These steht aber noch ein weiteres Feld im Mittelpunkt, welches bisher meist nur am Rande erwähnt wird. Dazu gehören unter anderem:

11. Die genetische Erosion bei allen wichtigen „Nutzpflanzen“.
12. Beschleunigte Bildung von Resistenzen gegenüber Pestiziden und Medikamenten bei parasitären Gegnern der Landwirtschaft und des Menschen direkt.
13. Die zunehmende Schwächung der „Nutzpflanzen“ gegenüber parasitären Gegnern.
14. Die beschleunigte Ausprägung von „Superparasiten“ mit neuen Eigenschaften. Dies betrifft sowohl solche gegenüber Pflanzen als auch Tiere einschließlich des Menschen selbst.
15. Zunehmende Kontamination des Erdreiches, Oberflächen- und Grundwasser durch die sich wg. 11. – 14. vorhandene Notwendigkeit der Erhöhung der Dosen von Pestiziden, Medikamenten, Dünger und weiteren Chemikalien.

Die Auflistung ließe sich noch erweitern und es könnte zudem Unbekannte geben, die sich aktuell erst anbahnen ohne dass ihre potenzielle Tragweite direkt erkennbar ist. Auf Grund der Vielzahl der Faktoren ist das wahrscheinlichste Szenario ein multikausaler und sehr komplexer Zusammenbruch, in dem viele verschiedene, sich gegenseitig verstärkende Einflüsse eskalieren. Einzelne Gegenmaßnahmen werden deswegen nicht wirksam sein. Notwendig wäre zunächst eine Aufklärung über den Gesamtzusammenhang, um darauf aufbauend die Kernursache der Entwicklung behandeln zu können.

1.3 Es gab doch schon immer irgendwelche Katastrophenszenarien, die sich dann doch nicht erfüllt haben. Waldsterben, Ozonloch, Versiegen des Öls usw. Der Mensch ist wohl einfach gerne am Schauern? (Frau Theis, 12.04.2019)2019-09-05T12:24:15+02:00

(…) Diese  (Anm.: In der Antwort etwa entprechend 1.2 ausgeführten) Faktoren sind real, sie lassen sich durch empirische Nachweise bestätigen und ihre Wirkung beschleunigt sich. Abgesehen davon stimmt es zwar, dass häufig über diese Themen hinaus solche Katastrophenszenarien diskutiert werden und wurden, die wenig realistisch sind oder die sich nicht erfüllt haben. Dies darauf zurückzuführen, dass der Mensch „gerne schauert“ ergibt aber keinen logischen Sinn. Viel wahrscheinlicher dürfte sein, dass es eine latente Wahrnehmung der realen Gefahren gibt, die aber nicht richtig zugeordnet werden können, was sich dann in Fehleinschätzungen zu nicht relevanten Themen überträgt.

1.4 Dass die Zivilisation sich in eine Katastrophe hineinbewegt, sehe ich auch so, und zwar sogar schon seit vielen Jahren. Aber mittlerweile denke ich: dann soll sie es doch machen. Irgendwann ist doch immer alles vorbei. Warum irgendetwas dagegen tun? Die Natur regelt die Dinge eben auf ihre Weise und dann geht es ohne die Menschen weiter. (Unbenannt, 23.08.2019)2019-08-23T13:29:24+02:00

Ein erwachsener und mündiger Mensch, der von den Entwicklungen der jüngsten Zivilisationsgeschichte im physischen Sinne profitiert hat, also etwa durch reichhaltige Nahrung im Überfluss oder sonstigen entsprechenden Konsum, hat zu der angelaufenen Katastrophe beigetragen. Auf irgendeine Weise wusste er, dass dieser überbordernde Konsum in der gegenwärtigen Form schädlich war und somit ist eine kausale Verantwortung entstanden. Bei dieser geht es nicht oder zumindest nur nachrangig um das Schicksal seinesgleichen. Sondern es geht um die Verantwortung gegenüber jenen Lebewesen, auf die sich seine Vorteile eben schädlich ausgewirkt haben oder künftig auswirken werden. Das sind zum einen die anderen Tiere und die Pflanzen des Planeten, deren Lebensraum wir zerstört haben oder die im Rahmen der Landwirtschaft unterdrückt und ausgenutzt wurden und werden. Und es sind auch die Menschenkinder, die ja noch gar keine Chance hatten, durch eigene Entscheidungen in den Ablauf der Katastrophe einzugreifen.

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